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Frauenzitatenweg
Zur Geschichte des Verein ZUKUNFT FRAU

Hintergrund
Ab 1880 mussten viele Dorfbewohner mangels Arbeit auswandern.
Aus heutiger Sicht wurden sie an den neuen Arbeitsplätzen teils unmenschlich behandelt: zu wenig zu essen, schlechte Unterkünfte und schlechte Entlöhnung.

Armut war überall - in den Bergdörfern war sie gross. Männer und ledige Frauen suchten auswärts Arbeit.
Weitere Generationen von Unterbäch mussten in den 30er und 40er Jahren das Dorf verlassen und woanders in der Schweiz nach Arbeit suchen. Sie fanden diese meistens im Tourismus (Hotels, Gaststätte usw.) und arbeiteten auch in Minen oder bei Weinbauern im Tessin und im Unterwallis.

Dadurch sind sie sicher auch weltoffener geworden und dies prägte die Kultur der Menschen in Unterbäch.
Das Geld wurde viele Jahrzehnte ausser Dorf verdient und zurückgebliebene Mütter kümmerten sich um die Kinder und die alten Leute. Sie schufteten wie Männer und verrichteten die schwere Arbeit in der Landwirtschaft, im Stall, auf dem Land und im Haus.

Die Männer kamen erst wieder nach der Saison zurück ins Dorf zu ihrer Familie und suchten nach weiterem Verdienstmöglichkeiten z. B. in den Rebbergen im Tal. Jedes Jahr vergrösserte sich die Familie um ein weiteres Kind – es galt viele Münder zu stopfen. Der grosse Kampf der Frauen ums Überleben machte sie stark und selbständig.

Die Lonza in Visp brachte in den 40er Jahren den Männern Arbeit. Die Strasse Unterbäch-Bürchen-Visp ersetzte den Fussmarsch nach Raron. Ein neuer Schwung entstand zudem 1949 durch den Bau der Luftseilbahn nach Raron.
Industrie und Verkehr beeinflussten das Leben in Unterbäch: Gewerbe und Tourismus blühten auf. Junge Leute hatten nun die Chance zu guten Ausbildungen - Ihre Berufswelt fand sich nun in Nah und Fern. Frauen waren weiterhin tüchtige:Geschäftsinhaberinnen, Posthalterin oder Hotelführerin.

Ein „Esprit moderne“ und eine Sensibilisierung an einer offenen Welt war zu spüren. Unterbäch war bereit für eine Weiterentwicklung!

Frauenstimmrecht
Ende 1940 waren zwei Männer die Pioniere für die Gleichberechtigung der Frauen in der Politik: Peter von Roten und Paul Zenhäusern. Sie gaben im Grossrat in Sitten eine Motion für das Frauenstimmrecht ein. Diese wurde aber nicht angenommen

Aber sie gaben nicht auf. Als es am 5. März 1957 zu der Abstimmung Zivildienst für Frauen kam, machten sie mobil. Iris von Roten, die Beauvoir des deutschsprachigen Europas und Gattin von Peter von Roten hatte bestimmt einen grossen Einfluss auf die beiden Männer, die gute Kollegen waren. Der Gemeinderat von Unterbäch war sehr „avant-garde“ als er im Jahr 1957 den Vorschlag von Gemeindepräsident Paul Zenhäusern, Frauen zur Urne gehen zu lassen, intensiv diskutierten und annahmen.

Auch Frauen fanden es selbstverständlich, dass sie selbst entscheiden konnten, ob sie Zivildienst zu leisten hätten. Zudem hatte auch der pensionierte Pfarrer Weissen einen starken Einfluss auf das Frauenstimmrecht - er hatte sich für die Gerechtigkeit geäussert.

Durch das Geschehen von 1957 wurde das kleine Bergdorf Unterbäch zum „Rütli der Schweizer Frau“ und auch so vermarktet.


Zukunft Frau
In den 90er Jahren reagierte der Tourismus sehr sensibel auf die Wirtschaftskrise. Touristisch galt es zu überleben.
In einem gegründeten Forum, welches aus Vertretern der Gemeinde, Tourismus, Gewerbe und den Dorfvereinen bestand, wurde die Entwicklung des Dorfes analisiert und diskutiert. Man war sich einig, dass das Aushängeschild unseres Dorfes im Sommer, wie im Winter die wunderschöne Natur- und Bergwelt ist, sowie die einmalige Geschichte zum Frauenstimmrecht.

So wurde am 6. März 1999 der Verein Zukunft Frau gegründet. Die erste Vereinspräsidentin, Angelica Brunner, war auch die erste Gemeinderätin sowie die erste Vizepräsidentin von Unterbäch. Als Startgeld und zur Erstellung des Frauen - Zitatenweges unterstützte die Gemeinde den Verein mit Fr. 10 000.00. Aber auch die Hilfe von Unterbäch Tourismus war sehr wichtig.

Der Verein strebt weiterhin eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Unterbäch, den Tourismusorganisationen und mit den örtlichen und regionalen Institutionen an! Er bleibt aber in jedem Fall unabhängig, bezweckt die Förderung von Frauen und Frauenanliegen und setzt sich insbesondere folgende Punkte zum Ziel und Zweck :

Auch zahlreiche Männer liessen sich von der Idee des Vereins überzeugen und wurden Passivmitglieder. Die Geschichte zum Frauenstimmrecht ist einmalig. Dies bestätigten uns anlässlich ihrer Besuche in Unterbäch, sowohl Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, wie auch alt Bundesrätin Ruth Dreifuss.

Anlässe 1999 - 2009